Bildungs- und Erziehungsbereiche

Bildung im Kindergartenalter bedeutet, sich selbst ein Bild von etwas zu machen, die aktive Aneignung der Umwelt durch die Auseinandersetzung mit ihr. Der Schwerpunkt der Bildung liegt also nicht im Erwerb oder in der Vermittlung von Fach­ und Spezialwissen, sondern in der Selbsttätigkeit.

 

Wenn Kinder Fragen stellen und ausprobieren, wenn sie handelnd Erfahrungen sammeln, mit allen ihren Sinnen, dann lernen Kinder. Das geschieht von und mit anderen Kindern und Erwachsenen. Bildung ist also ein sozialer Prozess.

 

Bei uns im Kindergarten erlebt das Kind auch den Erwachsenen als Lernenden. Die Devise lautet nicht „für“ das Kind, sondern „mit“ dem Kind. In dieser Ko-­Konstruktion gestalten wir mit dem Kind gemeinsam Bildungs­ und Lernprozesse.

 

Kinder haben ein Recht auf Beteiligung im Sinne von Mitwirkung, Mitgestaltung, Mitbestimmung und Mitverantwortung (Art. 12 UN­Kinderrechtskonvention). Es ist unsere Aufgabe und Verant­wortung, den Kindern entsprechend ihres Entwicklungsstandes diese Rechte zuzugestehen, nahe­zubringen und geeignete Methoden und Instrumente zur Verfügung zu stellen, damit sie diese wahrnehmen können. Damit verknüpft ist ebenso die Verpflichtung der Erwachsenen, das Interesse der Kinder für Beteiligung zu wecken. Basis dafür ist eine dialogische und achtende Haltung zwi­ schen der pädagogischen Fachkraft und dem Kind. Partizipation ist eine Grundeinstellung, die für uns in den Köpfen der Erwachsenen beginnt, und die zentral mit unserem Bild vom Kind als kom­petentes und eigenaktives Wesen verknüpft ist. Als wesentliche Grundhaltung prägt sie den Alltag in unserem Kindergarten.

 

Spiel und Förderung, Spielen und Lernen – das sind keine Gegensätze, sondern ein Paar, denn Spie­ len ist die Grundlage einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung und aller Selbstbildungsprozesse. Aus diesem Grund messen wir der Spielzeit der Kinder hohe Bedeutung bei. Nicht umsonst heißt unser Leitbild „Gemeinsam spielend lernen“.

 

 

„Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden wollen.“

(Rabelais)

Am Brunnen - Bildungsbereiche Bild

 

Werteorientierung und Religiosität

Die Vermittlung von Werten ist wichtig, weil diese den Kindern Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen geben und zum Gelingen eines harmonischen Miteinanders beitragen. In unserem in­ tegrativen Kindergarten werden Werte wie zum Beispiel Toleranz, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft tagtäglich und ehrlich gelebt. Nach dem Motto „Wir sind nicht alle gleich, aber wir sind alle gleich viel wert“ kommen die Kinder in einer angstfreien und liebevollen Atmosphäre zusammen. Unser Ziel ist es, dass die Kinder in unserer Kultur fest verankert, zugleich aber offen gegenüber dem Fremden und Anderen sind. Das Spiel bietet den Kindern ein umfassendes Erfahrungsfeld zur Entfal­tung ihres Wertesystems.

 

Grundlage für das gemeinsame Spiel ist, dass jeder so angenommen wird, wie er ist. Niemand wird ausgegrenzt, egal ob jünger oder älter, Mädchen oder Junge, stärker oder schwächer, mit oder ohne Handicap, egal welcher Sprache, Herkunft oder Religion. Als Rahmen für das selbstbestimmte Spiel erarbeitet die pädagogische Fachkraft mit den Kindern Spielregeln sowie Konsequenzen, die für alle gleichermaßen gelten. Im gemeinsamen Spiel lernen die Kinder durch die unmittelbare Rückmeldung der Spielpartner, wie sie anderen Wertschätzung und Respekt entgegenbringen kön­nen. Indem sie in bestimmte Rollen schlüpfen, üben sie sich in Empathie und Mitgefühl und lernen, die Perspektive zu wechseln. Beim Spielaufbau und in der Abstimmung mit den Spielpartnern er­ fährt das Kind, dass es stets unterschiedliche Handlungsalternativen gibt, und dass es ein gemein­sames Spiel nur dann gibt, wenn jeder offen für Kompromisse ist. Oft führen Meinungsverschiedenheiten über die Rollenverteilung oder den Spielablauf zu Konflikten. Diese auszuhalten und verbal zu lösen ist ein wichtiger Lernprozess im Spiel. Dazu gehört es auch, Schwä­chen und Fehler zu akzeptieren, sich entschuldigen und verzeihen zu können. Insgesamt lernt das Kind im selbstorganisierten Spiel, über sich selbst zu bestimmen und für das eigene Verhalten Ver­antwortung zu übernehmen.

Emotionalität, soziale Beziehungen und Konflikte

Die Entwicklung der eigenen Emotionalität und der Erwerb sozialer Kompetenzen hängen eng zu­ sammen. Emotionale und soziale Bildung und Erziehung ist ein Kernbereich im Kindergartenalltag. Im Spiel lernt das Kind durch das eigene Tun, kompetent und verantwortungsvoll mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlen der anderen Menschen umzugehen. Damit überhaupt ein gemeinsames Spiel zustande kommt, müssen die Kinder in Kontakt miteinan­der treten, auf andere zugehen, sich mitteilen, zusammenarbeiten. Im Spiel kommt es häufig zu Meinungsverschiedenheiten, weil eben ein jeder unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche hat: Wer übernimmt welche Rolle? Wie soll das Spiel verlaufen? Auch die Funktion zweckentfremdeter Materialien muss immer wieder neu ausgehandelt werden. Es ist wichtig, dass jedes Kind seinen eigenen Standpunkt vertritt, wenn aber kein Kompromiss geschlossen wird, ist das gemeinsame Spiel schnell vorüber.

 

Das ist eine schmerzliche, aber lehrreiche Erfahrung, die Kinder im Spiel immer wieder machen. Im Spiel lernt das Kind recht schnell: Wenn ich nur beleidigt in der Ecke sitze, spielen die anderen ohne mich weiter, weil sie mich gar nicht verstehen. Ich muss meine Wünsche und Gefühle also anders ausdrücken. Nach und nach lernt das Kind überhaupt erst, sich seiner eigenen Gefühle be­wusst zu werden, sie zu beschreiben, ihre Wirkung auf andere zu verstehen. Schritt für Schritt kann es dieses Wissen dann übertragen. Es lernt, Gefühle anderer Menschen richtig zu interpretieren und darauf einzugehen. Mit zunehmenden Kompetenzen im sozio­emotionalen Bereich entwickeln sich tiefer gehende Beziehungen. So werden aus Spielpartnern Freunde, aus dem Parallelspiel wird Kooperationsspiel.

 

Grundsätzlich ist Spielen Ausdruck purer Lebensfreude. Im Spiel positiv erlebte Gefühle setzen Glückshormone frei. Spielende Kinder sind also glückliche Kinder. Dieser Zusammenhang gilt jedoch nicht immer, denn im Spiel erlebt das Kind auch manchmal negative Gefühle wie z.B. Misserfolg oder Enttäuschungen. Es kommt immer wieder zu Situationen, dass Kinder ausgegrenzt oder aus­ gelacht werden, sich bedrängt oder überfordert fühlen. In solchen Momenten greift die pädago­gische Fachkraft in das selbstbestimmte Spiel ein und gibt den Kindern Unterstützung. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Bildungsbereich der Perspektivenwechsel. Nehmen wir folgende alltägliche Situation: Einige Kinder toben laut durch den Gruppenraum. Im körperbetonten Spiel werden Kräfte gemessen, die eigenen Grenzen und die der anderen Kinder ausgelotet. Die Kinder sind laut und wild und stoßen mehrmals an den Tisch, an dem andere Kinder sitzen und Perlen auffädeln. Die Perlen kullern durch den ganzen Raum, eines dieser Kinder wird wütend, ein anderes beginnt zu weinen – und die tobende Meute bekommt davon noch nicht mal was mit. An­statt zu schimpfen und ein „Tobeverbot“ auszusprechen, fragt die pädagogische Fachkraft die „wil­den“ Kinder, wie es ihnen denn gehen würde, wenn jemand ihre mühevolle Arbeit zerstört. Dadurch sorgt sie dafür, dass die Kinder sich in andere Menschen hineinversetzen. Anschließend erarbeitet sie mit allen Kindern gemeinsam Regeln, die den Bedürfnissen sowohl der „ruhigen“ als auch der „wilden“ Kinder gerecht werden. So werden im Spiel immer wieder sozio­emotionale Bildungspro­zesse angeregt.

Sprach- und medienkompetente Kinder

Dieser Bereich ist deshalb so wichtig, weil Sprache der Schlüssel zur Bildung sowie zur vollen ge­sellschaftlichen Teilhabe ist. Ziel ist zum einen die Freude am Sprechen und am Dialog, zum anderen die Sprachkompetenz und die damit verbundene Fähigkeit, sich mitzuteilen und auf Gesprochenes einzugehen.

 

Sprache erwirbt das Kind nicht nur beim Zuhören, sondern vor allem auch beim eigenen Sprechen. Während die Sprachfähigkeit angeboren ist, geschieht der Spracherwerb in der sozialen Interaktion, also z.B. im gemeinsamen Spiel.

 

Spielen ist eine komplexe Sprachlernsituation. Sowohl Sprechen als auch Sprachverständnis werden im Spiel erworben, wenn das Fantasie­ und Rollenspiel szenisch umgesetzt wird und wenn auf der Meta-­Ebene der Spielverlauf, die Spielrollen und ­materialien besprochen und vereinbart werden. Reime und Sprachspiele sind bei Kindern sehr beliebt und fließen immer wieder in das Spiel mit ein. Komplexe Inhalte aus Geschichten, Märchen, Filmen und Serien werden nachgespielt, nach­ gesprochen und im eigenen Spiel weiterentwickelt. Manchmal wird sogar ein einzelnes Wort zum „Spielzeug“, v.a. wenn es um Quatschwörter geht oder um Wörter, die provozieren. So wird z.B. „Kacka“ von den Kindern gerne genüsslich aufgesagt, um dann in ein übermütiges Kichern zu verfallen. Teilweise nutzen die Kinder neben sprachlichen sogar schriftliche Kommunikationsformen. So werden zum Schule, Einkaufen oder Zirkus spielen Hausaufgaben, Einkaufszettel oder Eintritts­ karten geschrieben. Oder die Spielmama liest dem Spielkind ein Buch vor, indem sie so tut als ob

Digitale Medien

Kinder kommen von klein auf mit Informations-­ und Kommunikationstechnik sowie Medien in Be­rührung und haben zugleich ein hohes Interesse daran. Im Verlauf seines Heranwachsens lernt das Kind, Medien und Kommunikationstechniken zu begreifen und zu handhaben, sie selbstbestimmt und kreativ zu gestalten und zu nutzen, bewusst, kontrolliert und kritisch damit umzugehen. Im Kindergarten verarbeiten Kinder beim Spielen regelmäßig Medienerlebnisse, die sie außerhalb machen, insbesondere Serien, Filme oder Computerspiele. Im Kindergarten schlüpft das Kind in die Rolle des Superhelden oder der Prinzessin, es taucht ab in eine Fantasiewelt, fühlt sich stark oder zauberhaft und wird mit seinem Helden eins. Wenn die pädagogische Fachkraft beobachtet, dass mehrere Kinder bestimmte Interessen und Themen teilen, können Spielräume gemeinsam gestaltet und Spielmaterialien dazu herausgesucht oder sogar selbst gestaltet werden. Vielleicht gibt es eine passende Verkleidungskiste. Im Kreativbereich können Pappschwerter, Kronen, Zau­ berstäbe usw. gebastelt werden oder sogar Medien wie z.B. ein Plakat oder ein Bilderbuch zur Ge­schichte. Für den CD­Spieler kann passende Musik gesucht werden, so dass die Kinder auch akustisch auf der Reise in ihre Traumwelt unterstützt werden.

 

Die pädagogische Fachkraft beobachtet das Spiel ganz genau und macht dazu Fotos. So kann sie später mit den Kindern z.B. im Rahmen der Portfolio ­Arbeit eine Fotogeschichte erstellen. Somit lernen die Kinder aus ihrem Spiel heraus, aktiv Medien zu produzieren.

 

Für die Entwicklung von Medienkompetenz ist es aber auch wichtig, dass die pädagogische Fach­kraft diese Spielimpulse der Kinder aufgreift, um mit ihnen Medienbotschaften kritisch zu reflek­tieren, eventuell vorhandene Rollenklischees in Frage zu stellen und vor allem zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Gerade Kinder mit einer stark medienlastigen Kindheit sollen und können im gemeinsamen Spiel im Kindergarten alternative Aktivitäten zur Mediennutzung kennen und schätzen lernen. Dazu braucht es eine pädagogische Fachkraft, die nicht die Mediennutzung der Kinder kritisch kommentiert, sondern die im Dialog mit den Kindern ergründet, was die Kinder so sehr daran fasziniert und was sie damit eigentlich zum Ausdruck bringen wollen.

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik

Mathematik

Im vorschulischen Bereich hat als Bildungsziel den Umgang mit Formen, Mengen, Zahlen sowie mit Raum und Zeit. Es geht nicht um das Auswendiglernen der Zahlenreihe, sondern darum, dass das Kind sich allmählich seine eigene Brücke von der Welt der anfassbaren Dinge in die abstrakte Gedankenwelt der Mathematik baut – durch konkrete Erfahrungen und praktisches Tun. Wenn wir die „mathematische Brille“ aufsetzen, können wir bei spielenden Kindern wichtige mathematische Grundkonzepte und Bildungsprozesse entdecken.

 

Kinder sammeln, klassifizieren, sortieren und ordnen voller Leidenschaft – Autos, Spielfiguren, Per­len, Bausteine, … Von klein nach groß, nach Farben und Formen, nach wichtig und unwichtig, schön und weniger schön, … Das Aufräumen nach dem Spiel ist dabei ein regelrechtes, wiederkehrendes Mathematikprogramm.

 

Die Welt, in der die Kinder aufwachsen, ist voller Muster. Symmetrien und Wiederholungsstruktu­ ren lösen Wohlempfinden beim Menschen aus, lassen Dinge schneller erfassen, klarer erkennen und intensiver wahrnehmen. Beim Konstruktionsspiel mit Bausteinen, beim Bauen im Sandkasten oder beim Malen achten Kinder häufig ganz von selbst auf diese Ordnung und Struktur, weil sie ihnen guttut.

 

Im Spiel werden Zahlen und Zahlenmengen für Kinder lebendig und verständlich, wenn z.B. Bau­ steine gerecht aufgeteilt werden oder wenn bei einem Tischspiel die Augen des Würfels und die Spielfelder abgezählt werden.

 

Damit ein Kind später in Räumen denken und sich in abstrakten Zahlenräumen bewegen kann, muss es erst mal seinen eigenen Körper erfassen und ein Körperschema als Grundlage räumlicher Orientierung entwickeln. Sich irgendwo hineinzwängen, hochklettern, ganz oben stehen und sich fallen lassen, im Bällebad untertauchen – das alles sind elementare Erfahrungen im freien Spiel, bei denen das Kind Räume und Formen mit allen Sinnen wahrnehmen, sich selbst dazu in Bezie­hung setzen und Raum-­Lage­Beziehungen erfassen kann. Wenn Kinder mit Polsterbausteinen, De­cken, Schachteln oder Ästen Höhlen bauen, sammeln sie dabei wichtige geometrische Erfahrun­ gen – können oben, unten, hinten, vorne, zwischen, innen, außen, eckig, rund, … spielend „be­greifen“.

 

Weniger – mehr, kürzer – länger, schneller – langsamer, schwerer – leichter, … Kinder vergleichen häufig im Spiel sich selbst und Dinge miteinander. „Ich kann schneller laufen als Du!“ „Los, wer als erster bei der Schaukel ist!“ „Ich habe mehr Kastanien als Du.“ „Mein Turm ist viel höher als Deiner.“ Damit die Kinder zum Wiegen, Messen und Vergleichen angeregt werden, stehen z.B. Sanduhren, eine Waage, ein Kalender, ein Thermometer, unterschiedlich große Gefäße und Messbecher im Sandkasten und in der Wasserwanne zum hin und her Schütten bereit.

 

Natur und Technik

Kinder zeigen ein hohes Interesse an Natur und Technik. Sie haben Spaß und Freude am Beobach­ten, Experimentieren und Forschen, wollen herausfinden, „warum das so ist“ und „wie etwas funktioniert“.

 

Die Natur hält ein riesiges Angebot bereit, im Spiel selbst ein naturwissenschaftliches Denken zu entwickeln: Wasser, Eis, Schnee, Erde, Sand, Matsch, Sonne, Licht, Schatten, Wind, Blätter, Stöcke, Steine, Früchte, Käfer, Insekten, Jahreszeiten, Tag und Nacht, Schall und Töne, Schwerkraft, Flieh­ kraft, Reibung… Naturwissenschaftliches Denken beginnt nicht mit naturwissenschaftlichen Expe­rimenten, sondern mit dem konkreten Erleben der Natur. Darum bieten wir den Kindern regelmäßig die Gelegenheit, in vielfältiger Naturumgebung selbstorganisiert als Forscher und Entdeckergeister aktiv zu werden – sei es beim täglichen Spiel im Garten, bei Spaziergängen, bei unseren Natur­ erlebnistagen oder der Waldwoche für die Vorschulkinder. Die pädagogische Fachkraft ist nicht da, um dem Kind die Welt zu erklären, sondern um mit ihm die Welt zu erkunden. Sie ist dabei, spielt und staunt mit, stellt Fragen und regt die Kinder in ihrem Spiel an, nachzuforschen und heraus­ zufinden. Unsere Kinder wachsen in einer hoch technisierten Welt auf. In ihrem Spiel ahmen sie oft die Er­wachsenen und ihre Handlungen nach. So wird ein Stock zu einem Bohrer, ein Bauklotz zum Han­dy – oder die Kinder zeichnen und basteln sich ihren Laptop am Maltisch. Im selbstbestimmten Spiel nutzen sie technische Hilfsmittel wie z.B. Schere oder Locher und wenden Techniken an, wenn sie falten oder flechten. Technik ist die praktische Anwendung von Mathematik und Naturwissen­ schaft. Wenn Kinder ausprobieren, wie ein Turm stabil wird oder ob sie den Wassergraben der Sandburg mit Wasser füllen können, setzen sie sich spielend mit technischen Problemen auseinan­ der und begreifen wichtige Zusammenhänge.

Umwelt – Bildung für nachhaltige Entwicklung

„Was ich kenne, schätze ich. Was ich schätze, schütze ich.“ – Wenn das Kind die Umwelt mit allen Sinnen unmittelbar und bewusst erfahren kann, wenn es lernt, genau hinzuschauen, die Schönheit der Natur zu erkennen und zu schätzen, dann lernt es auch, die Umwelt als unersetzlich und ver­letzbar wahrzunehmen und entwickelt ein ökologisches Verantwortungsbewusstsein. Die Natur­ begegnung im Spielen draußen ist daher von großer Bedeutung. Die pädagogische Fachkraft übernimmt für die Kinder eine wichtige Vorbildrolle im Bereich der Umweltbildung und ­-erziehung. Welche Spielmaterialien werden bereitgestellt – Holz oder Plastik? Wie ist der Umgang mit künstlichen und natürlichen Spielmaterialien? Dürfen Käfer, Ameisen, Schnecken, … für das Spiel verwendet werden? Wie sind Pflanzen und Bäume zu behandeln? Reiße ich einfach den nächstbesten Ast ab, oder wie finde ich einen passenden Stock? Darf ich die Rinde eines Baumes verletzen?

Musik, Ästhetik, Kunst und Kultur

Im selbstbestimmten Spiel singen und tanzen die Kinder oft miteinander. Musik ist ein ideales Me­dium für Kinder, sich mitzuteilen, Gefühle und Gedanken zu äußern, aber auch emotionale Belas­tungen abzureagieren. Das Kind erlebt Musik als Quelle von Freude und Entspannung sowie als Anregung zur Fantasie und Kreativität. Der aktive Umgang mit Musik fordert und fördert die ge­samte Persönlichkeit des Kindes.

 

Gestalterische und bildnerische Bildungsangebote werden im Kindergarten oft als „Bastelarbeit“ abgetan und das kreative Produkt, z.B. ein Bild, als rein „Schönes“ zu Dekorationszwecken funk­tionalisiert. Tatsächlich aber werden die Kinder in diesem Bildungsbereich maßgeblich in ihrer Fan­tasie und Kreativität gefördert.

 

Aufgabe der pädagogischen Fachkraft ist es insbesondere, den äußeren Rahmen für selbstbestimm­tes, kreatives Gestalten zu schaffen. Abwechslungsreiche und ansprechende Materialien sollen die Kinder dazu einladen, selbsttätig auszuprobieren. Durch die Begegnung mit Kunstwerken, ver­schiedenen Kunstrichtungen und Techniken werden die Kinder immer wieder angeregt, in der freien Spielzeit eigene Gestaltungs­ und Ausdruckswege für ihre Gefühle, Gedanken und Ideen zu entdecken und Gestaltungslust zu erleben. Dabei gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, „schön“ oder „unschön“, sondern immer wieder neue Wege im Denken und Handeln.

Gesundheit, Bewegung, Ernährung, Entspannung und Sexualität

Gesundheit ist mehr als nur das Freisein von Krankheit. Die Gesundheitserziehung in unserem Kin­dergarten schärft das Bewusstsein der Kinder: Was tut mir gut? Ziel ist das körperliche, geistige, seelische und soziale Wohlbefinden. Bewegung ist nicht nur für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Kindes unerlässlich, sie ist der Motor für die kindliche Entwicklung insgesamt. Kinder brauchen daher täglich quantitativ und qualitativ ausreichende Bewegungs­ und Wahrnehmungserfahrungen (sausen, klettern, springen, balancieren, schaukeln, wippen, rutschen, drehen, kriechen, …). Diese finden möglichst in spiele­rischer Form statt, nicht nur in Form von geplanten und angeleiteten Aktivitäten und Turnstunden, sondern als integrativer Bestandteil des Kindergartenalltags mit vielen freien Bewegungsgelegen­heiten.

Spielen bedeutet, mit anderen Kindern in Bewegung sein. Im Spiel entwickeln die Kinder gemein­sam immer wieder neue Spielideen und kreative Bewegungsmöglichkeiten. Die pädagogische Fach­kraft sorgt für genügend Spiel­ und Bewegungszeit in unserem großzügig angelegten Außengelände. Dort warten z.B. Klettergerüste, Schaukeln, Wippen, Balancierbalken und verschiedene Fahrzeuge auf die Kinder. Dort können die Kinder hineinkriechen, hochklettern, herunterspringen. Der große, schattige Garten lädt zu Fang­ und Bewegungsspielen ein. Auch im Gruppenraum findet Bewegung und Körpererfahrung statt (z.B. schiefe Ebene, Treppen der Spielhäuser, Hängesessel, Polsterbau­ steine, …).

Lebenspraxis

Zur Lebenspraxis gehört die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren. Wenn die Kinder ihr Spiel selbst organisieren, machen sie also auch wichtige lebenspraktische Erfahrungen. Kinder spielen oft Vater, Mutter, Kind. Im selbstbestimmten Spiel verinnerlichen Kinder das Wer­tegerüst und lebenspraktische Verhaltensweisen ihrer Familien, indem sie das Leben in den eigenen Familien imitieren und in entsprechende Rollen schlüpfen (Mama, Papa, Arzt, Polizist, Handwerker) oder bestimmte Tätigkeiten nachahmen (kochen, bügeln, Tisch decken, hämmern, bohren, …). Für das selbstbestimmte Spiel stehen Materialien wie z.B. Fädelperlen, Steckspiele oder Tischspiele zur freien Verfügung. Das Ordnungssystem ist so gestaltet, dass die Kinder sich selbständig zurecht­ finden. Auch so eignen sie sich lebenspraktische Kompetenzen an.